Heiße Nächte, Schwitzen und unruhiger Schlaf? Schlafexperte Markus Kamps erklärt, wie Raumklima, Abendroutine, Bettwäsche und Matratze den Sommerschlaf verbessern können.
Sommerschlaf: Besser schlafen bei Hitze
Sommer klingt nach Sonne, Leichtigkeit, langen Abenden und offenen Fenstern.
Für unseren Schlaf bedeutet Sommer aber oft etwas anderes:
warme Schlafzimmer, unruhige Nächte, Schwitzen, häufiges Aufwachen und morgens das Gefühl, nicht wirklich erholt zu sein.
Viele Menschen schlafen bei Hitze schlechter. Das ist kein Zufall. Unser Körper braucht zum Einschlafen und für erholsame Schlafphasen eine leichte Absenkung der Körpertemperatur. Wenn das Schlafzimmer aber aufgeheizt ist und die Luft steht, wird genau das zur Herausforderung. Auch das Merkblatt „Erholsam & gesund schlafen im Sommer bei Hitze“ mit fachlicher Beratung von Markus Kamps beschreibt, wie wichtig Raumklima, Abendverhalten und eine passende Bettausstattung für den Sommerschlaf sind.
Passend dazu war Markus Kamps am vergangenen Sonntag im SAT.1-Frühstücksfernsehen zu Gast und hat dort ebenfalls über das Thema Sommerschlaf gesprochen. Im Mittelpunkt standen praktische Tipps, wie Menschen auch bei sommerlicher Hitze besser zur Ruhe kommen können.
Denn guter Schlaf im Sommer entsteht selten durch einen einzigen Trick. Entscheidend ist das Zusammenspiel aus Verhalten, Raumklima, Bettklima und der richtigen Ausstattung.
1. Hitze tagsüber draußen halten
Der größte Fehler passiert oft schon lange vor dem Schlafengehen.
Viele lassen tagsüber Fenster gekippt oder Vorhänge offen. Dadurch gelangt die warme Luft in die Räume und das Schlafzimmer heizt sich auf.
Besser ist:
Fenster, Rollos, Jalousien oder Vorhänge tagsüber konsequent geschlossen halten. Gelüftet wird erst dann, wenn es draußen wirklich kühler ist als drinnen. Das ist meist spät abends, nachts oder früh am Morgen.
Wichtig dabei: Durchzug kann helfen, sollte aber nicht direkt auf den Körper treffen. Wer nachts mit offenem Fenster schläft, sollte nicht im Luftzug liegen. Auch Ventilatoren sollten nicht direkt auf den Körper gerichtet sein, sondern die Luft indirekt im Raum bewegen.
Ein einfacher Trick bei extremer Hitze: feuchte Tücher oder Laken im Raum aufhängen. Durch Verdunstung entsteht ein leichter Kühleffekt.
2. Lauwarm duschen statt eiskalt abschrecken
Eine eiskalte Dusche vor dem Schlafengehen klingt im ersten Moment verlockend. Sie kann aber genau das Gegenteil bewirken.
Der Körper reagiert auf den Kältereiz, die Blutgefäße ziehen sich zusammen und die Wärme bleibt eher im Körperkern. Kurz danach kann das Schwitzen sogar zunehmen.
Besser ist eine lauwarme Dusche.
Wer den Kühleffekt verlängern möchte, trocknet sich danach nicht vollständig ab. Ein dünner Feuchtigkeitsfilm auf der Haut kann durch Verdunstung angenehm kühlen.
Auch bei nächtlichem Erwachen kann ein kleiner Sofort-Tipp helfen: kaltes Wasser über die Innenseiten der Handgelenke laufen lassen. Das kann kurzfristig angenehm erfrischen.
3. Abends leicht essen und den Körper entlasten
Schlaf ist Regeneration. Dafür sollte der Körper am Abend nicht zusätzlich Schwerstarbeit leisten müssen.
Sehr fettige, schwere oder stark gewürzte Mahlzeiten können den Körper belasten. Scharfe Speisen können zusätzlich die Thermoregulation ankurbeln und Schwitzen verstärken.
Für heiße Sommerabende eignen sich eher leichte Mahlzeiten: zum Beispiel Gemüse, Salat, Gurke, Melone oder gedünstete Speisen.
Auch beim Trinken gilt: ausreichend trinken, aber nicht literweise eiskalte Getränke direkt vor dem Schlafengehen. Lauwarme Getränke können für den Körper oft angenehmer sein.
4. Das Bett sommerfit machen
Im Winter soll ein Bett wärmen.
Im Sommer muss es vor allem Feuchtigkeit regulieren, Luft zirkulieren lassen und Wärmestau vermeiden.
Deshalb lohnt sich ein genauer Blick auf die Bettausstattung.
Eine schwere Ganzjahres- oder Winterdecke ist bei Hitze oft zu viel. Leichte Sommerdecken können helfen, das Bettklima angenehmer zu gestalten.
Geeignet sind zum Beispiel atmungsaktive Materialien wie Baumwolle, Leinen, Wildseide oder moderne Funktionsfasern wie Lyocell beziehungsweise Tencel. Sie können Feuchtigkeit aufnehmen und für ein angenehmeres Schlafklima sorgen.
Auch die Bettwäsche spielt eine Rolle. Seersucker-Bettwäsche liegt durch ihre Struktur nicht komplett flach auf der Haut auf und kann dadurch luftiger wirken.
5. Die Matratze nicht vergessen
Beim Thema Sommerschlaf denken viele an Fenster, Ventilator oder dünnere Decke.
Die Matratze wird dagegen häufig unterschätzt.
Dabei schwitzen wir in warmen Nächten besonders stark. Eine Matratze sollte Feuchtigkeit aufnehmen, weiterleiten und gut belüftet sein. Ist sie sehr alt, kann sie an Klimaeigenschaften, Hygiene und Stützkraft verlieren.
Das Merkblatt nennt als Orientierung, dass Matratzen nach etwa acht bis zehn Jahren häufig ihre wichtige Absorptions- und Belüftungsfähigkeit verlieren können.
Das bedeutet nicht automatisch, dass jede ältere Matratze sofort ersetzt werden muss. Aber es ist ein guter Anlass für einen ehrlichen Klima- und Hygiene-Check.
Fragen Sie sich:
Fühlt sich die Matratze morgens klamm an?
Ist der Bezug waschbar?
Hat sich das Liegegefühl verändert?
Wird es im Bett schnell zu warm?
Ist die Matratze älter als acht bis zehn Jahre?
Wenn mehrere Punkte zutreffen, kann eine fachliche Beratung sinnvoll sein.
6. Das Schlafzimmer als Ruhezone gestalten
Sommerschlaf ist nicht nur eine Frage der Temperatur.
Auch Licht, Geräusche, Ordnung und Atmosphäre beeinflussen, ob wir zur Ruhe kommen.
Ein Schlafzimmer sollte möglichst reizarm sein. Weniger Bildschirmlicht, gedimmte Beleuchtung, angenehme Materialien und eine ruhige Umgebung helfen dabei, den Tag loszulassen.
Guter Schlaf beginnt nicht erst mit dem Einschlafen.
Er beginnt schon beim Betreten des Schlafzimmers.
Die wichtigsten Tipps für besseren Sommerschlaf
Tagsüber Fenster geschlossen halten und abdunkeln.
Erst lüften, wenn es draußen kühler ist als drinnen.
Ventilator nicht direkt auf den Körper richten.
Bei großer Hitze feuchte Tücher im Raum aufhängen.
Lauwarm statt eiskalt duschen.
Handgelenke bei Hitze mit kühlem Wasser abspülen.
Abends leichte Mahlzeiten wählen.
Sommerdecke statt schwerer Ganzjahresdecke nutzen.
Atmungsaktive Bettwäsche verwenden.
Matratze auf Klima, Hygiene und Alter prüfen.
Schlafzimmer ruhig, dunkel und reizarm gestalten.
Fazit: Sommerschlaf braucht gute Vorbereitung
Heiße Nächte lassen sich nicht immer vermeiden. Aber wir können die Bedingungen verbessern.
Wer tagsüber Hitze draußen hält, abends den Körper nicht zusätzlich belastet und sein Bett sommergerecht ausstattet, schafft bessere Voraussetzungen für erholsamen Schlaf.
Sommerschlaf ist kein Zufall.
Er entsteht durch die passende Kombination aus Raumklima, Abendroutine, Bettklima und Schlafwissen.
Hinweis: Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei anhaltenden Schlafproblemen, starkem Nachtschweiß oder gesundheitlichen Beschwerden sollte medizinischer Rat eingeholt werden.